Glen wird zum IRONMAN

Glen ist bereit für den Wettkampf.

Am 6. Juli 2014 hat Glen sich seinen bisher größten Erfolg in sportlicher Hinsicht erkämpft. Wie es dazu kam und wie er sich im Wettkampf geschlagen hat, kannst du hier lesen.

Vor gut zwei Jahren hat Glen sich nach 15 Jahren vom Kraftsport verabschiedet, weil es ihm einfach keinen ausreichenden Ausgleich mehr bot. Die psychische Entspannung nach der vielen Arbeit ist ihm sehr wichtig und auch notwendig. Nach dem 1. Halbmarathon im Januar 2012 hat er diese dann im Ausdauersport gefunden und weiter verfolgt.

Bereits nach dem Vierlanden-Triathlon im Juni vergangenen Jahres hat Glen sich dafür entschieden, sich für den IRONMAN anzumelden. Von außen bekam er zunehmend negative Meinungen für diese Entscheidung, denn ihm wurde diese körperliche Fitness auf Grund seiner vegetarischen Ernährung nicht zugesprochen, weshalb er dann im Internet nach gegenteiligen Informationen recherchiert hat.

Bei diesen Recherchen ist er auf Arnold Wiegand gestoßen, der als bekannter Ausdauersportler mehrere und noch viel härtere Wettkämpfe bestritten hat. Diese Inspiration mündete in einem herzlichen Kontakt und spornte Glen sehr an, bei seinem Plan zu bleiben. „Arnold ist ein sehr guter Mensch und ich habe absolute Hochachtung vor ihm und seinen Leistungen.“, betonte Glen und „Ich möchte mich auch auf diesem Wege recht herzlich bei ihm bedanken!“, fügte er hinzu.

Mit diesem inneren Rückhalt begann seine Vorbereitung auf sein bisher größtes sportliches Ziel, weshalb er im vergangenen Jahr noch drei weitere Triathlons absolviert hat. Seine Trainingseinheiten hat er ab Januar diesen Jahres extrem gesteigert, was durch die vielen Messen und die Arbeit in den Tattoo-Studios manchmal schwer zu organisieren war. „Ich habe es bis Mitte Juni durchgezogen mindestens drei mal die Woche zu trainieren. Meistens war es aber mehr.“, lautet sein Trainingsfazit. Als schwer hat er es empfunden, war für ihn aber gleichzeitig auch ein sehr guter Ausgleich. Die letzten zwei Wochen vor dem Stichtag hat er eine gute Balance zwischen Training und Regeneration gefunden, damit die Luft nicht schon vorher raus ist.

Der Tag des IRONMAN

Am Freitag den 4. Juli ging es morgens um 5:00 Uhr in der Früh’ los nach Frankfurt am Main, denn um 10:00 Uhr fing schon die Wettkampfbesprechung an. Mit dabei waren Alan und Andre, die Glen im Vorfeld und auch beim Event selbst unterstützt haben. „Bei den beiden möchte ich mich für die tolle Betreuung ganz herzlich bedanken!“, richtet Glen aus. Ein sehr mulmiges Gefühl machte sich bei Glen breit, als er all die Athleten bei der Besprechung gesehen hat, denn die Konsequenzen seiner Entscheidung, die er nach dem Vierlanden-Triathlon gefällt hat, wurden nun das erste Mal so richtig sichtbar. „Ich habe das Gefühl einfach angenommen, denn nur so kann ich diese Hürde nehmen.“, beschrieb er seine Entgegnung zu diesem Gefühl. Anschließend hat er sich im Hotel auf den Wettkampf vorbereitet. „Für jede Disziplin gibt es einen separaten Beutel, wo die Ausrüstung verstaut wird. Diese liegen dann in den entsprechenden Wechselzonen bereit.“, beschreibt er das Vorgehen. Dann war schon Schlafenszeit.

Glen, Andre und Alan (v.l.n.r.) sind fröhlich gestimmt. Die Beutel für die einzelnen Disziplinen. Noch schnell das Fahrrad repariert. Alles bereit für den Rad-Check-In.

Der Samstag fing mit einer internen Besprechung an, in welcher noch mal alle Abläufe verinnerlicht wurden. Danach ging es dann mit der kompletten Ausrüstung los zu den Wechselzonen. Der Check-In stand an und plötzlich rutschte das Herz für einen kurzen Moment in die Hose, denn der Mantel vom Vorderrad hatte einen Defekt. Zum Glück hat die Truppe es vor dem Einchecken gemerkt und konnten es kurzfristig reparieren. „Das wär’ peinlich gewesen! Die kontrollieren nämlich auch die gesamte Ausrüstung. Soll ja keiner mit dem E-Bike da rum flitzen.“, fasst Glen den kleinen Schockmoment zusammen. Wieder schlich sich während des Eincheckens ein mulmiges Gefühl ein, doch Glen hatte Gelegenheit sich danach im Hotel auf den Tag mental vorzubereiten. Früh ging es ins Bett, denn der Wecker stand auf 3:00 Uhr morgens.

Da war er nun, der Sonntag; Stichtag. In den Teilnehmerkreisen sagt man auch, dass es „der längste Tag des Jahres“ sei. Maximal 15 Stunden dürfen die Sportbegeisterten brauchen, ansonsten bekämen sie nicht die Auszeichnung. Es wird Druck aufgebaut, aber Glen ist dank seiner inneren Einstellung ziemlich gelassen und als die Truppe um 5:00 Uhr Morgens am Parkplatz ankommt, macht sich sogar Vorfreude bei ihm breit. Gute Voraussetzungen für diesen Tag. „Okay, ich habe mein Schicksal angenommen. Los geht’s!“, fasst Glen sein Gemüt total gelassen zusammen.

Ein kräftigendes Frühstück. Der letzte Check von der Ausrüstung. Gleich geht es los. Was für ein Anblick. Tausende starten in den Wettkampf. Erste Disziplin geschafft. Jetzt rauf auf's Rad!

Nach erneuter Prüfung der Ausrüstung in den Wechselzonen mussten alle Athleten diese um 5:45 Uhr verlassen und zum Startpunkt des IRONMAN gelangen. Die Profis und ein Teil der Amateure wurden um 6:45 Uhr in den Wettkampf geschickt. Glen und die anderen 2.500 Amateursportler hören dann um 7:00 Uhr den Knall der Startschuss-Pistole. Als erstes hieß es also 3.800 Meter Schwimmen. „Da lief alles super, nur bei den Bojen wurde etwas ausgeteilt. Aber natürlich nicht absichtlich!“, beschreibt Glen die erste Disziplin und spricht das erste Problem an. Die Bojen dienen als Streckenmarkierung und dort staut es sich auf Grund der Verdichtung des Feldes. Gestaut hat es sich dann auch nach dem kleinen Landgang nach 2.100 Metern absolvierter Strecke. „Da war einfach viel zu wenig Platz!“, ist das Resümee von Glen.

Anschließend stand die Fahrradstrecke von 180.000 Metern an. Also raus aus dem Wasser, kurz orientieren, den richtigen Ausrüstungs-Beutel schnappen und im Zelt umziehen. Die Wettkampfuhr läuft dabei natürlich weiter, also bloß nicht trödeln. „Ich habe mich richtig darüber gefreut, dass ich nach dem Schwimmen so einen Kraftschub hatte. Doch während des Radfahrens passierte dann diese eine Sache um Kilometer 50 rum.“, kündigt Glen das nächste Unheil an. „Da musste ich mich im höchsten Gang einen Berg hoch ackern, weil die Gangschaltung hakte.“, fuhr er fort. Nach negativen Gedanken über ein vielleicht vorzeitiges Ausscheiden aus dem Wettkampf, funktionierte die Gangschaltung zum Glück wieder einwandfrei für die restlichen 130 Kilometer. Die 1. Hälfte lief insgesamt sehr gut, doch mit Beginn der 2. Hälfte machte sich die Kraft der Sonne bemerkbar. Es waren immerhin 30 Grad im Schatten, doch den gab es einfach nicht. Weitermachen war die Devise, auch als zum Ende der Radstrecke die ersten Lungenschmerzen anfingen. „Geschafft! Jetzt ist es ja zum Glück nur noch ein Marathon!“, beschreibt Glen sein Gefühl in der zweiten und letzten Wechselzone.

Das Rad tut wieder seinen Dienst mit einer kleinen Störung zwischendurch. Zwischendurch gab es Erfrischungsstationen. Lebenswichtig! Glen fährt... ...uns davon.

Die Hitze fühlte sich in der letzten Disziplin über 42.195 Meter noch extremer an, weil es keinen richtigen Zugwind gab. „Ich war schon ziemlich entkräftet nach dem Radfahren und hatte Lungenschmerzen, doch dann fingen auch noch die Magenschmerzen an.“, fasst er seine Situation nach den ersten Metern zusammen. Das ist bitter, denn aus diesem Grund musste er auf Trockenfrüchte verzichten, die bei solch einem Wettkampf ein wichtiger Energiespender sind, doch die Devise war: einfach weitermachen! „Ich hatte Angst mich zu übergeben. Das wäre doch ziemlich peinlich gewesen vor all den Zuschauern!“, beschreibt Glen seine Sorge, doch es kam noch eine weitere hinzu, die Zeit. Auf der Strecke liefen die Athleten einem Kirchturm entgegen, so dass klar wurde, wie viel Zeit noch bleibt. Es wurde knapp und die Angst vor dem Scheitern machte sich etwas breit. „Ich habe die ganze Zeit schon die Zähne zusammen gebissen, doch dann musste ich noch mal richtig Hackengas geben! Zum Glück wurde es zum Abend hin etwas kühler.“, beschreibt Glen die letzten Züge des Wettkampfs und fügt hinzu: „Ich wollte nur noch ankommen!“. Das Publikum hat ihn auf dem Weg zum Ziel so herzlich empfangen und bejubelt, dass er alles vergessen hat und extreme Glücksgefühle bekam. Die Übelkeit und Schmerzen waren in diesem starken Moment einfach fort. Da hieß es nur noch, diesen Moment in vollen Zügen zu genießen, die Anspannung fallen zu lassen und sich in Sicherheit zu wiegen, dass das eigene Ziel erreicht wurde.

14 Stunden, 44 Minuten und 18 Sekunden (auf der offziellen IRONMAN-Website anschauen). Das ist sein Ergebnis und er ist sehr froh darüber, dass er nicht zu dem Fünftel gehört, dass die Ziellinie erst gar nicht überquerte.  „Dann gab es eine dicke Medaille und ich war IRONMAN.“, freut sich Glen über den errungenen Erfolg, der für ihn schon gar nicht mehr so besonders ist. „Der schnellste in dem Wettkampf hat übrigens nur 7 Stunden und 55 Minuten gebraucht, total verrückt.“, hängt Glen noch hinten dran. Seine Medaille hängt nun im Mainstore Lüneburg bei den anderen Auszeichnungen.

Nur noch der Marathon. Der Zeitdruck macht sich bemerkbar. Die Hitze brennt und Alan feuert an! Glen hat es geschafft und ist ein IRONMAN.

Was bedeutet dieser Erfolg?

Dieser Erfolg ist für Glen im Nachhinein nicht mehr so wertvoll, wie er vorher erstrebenswert war. Woher kommt das? Ist dies der ewige Erfolgsmotor, der andauernde Antrieb immer weiter zu kommen? „Höher, schneller, weiter“ als Motivation? „Dieser Erfolg hat mir gezeigt, dass ich doch nicht so schwach bin. Der Teufel in mir muss ständig gebändigt werden.“, erklärt es selbst, denn dieser Ansporn ist auch und vielleicht vor allem ein Umgang mit seiner Sucht. „Seit 21 Jahren bin ich nun abstinent und auf diese Weise kann ich mir zeigen, dass ich doch noch etwas Wert bin.“, beschreibt Glen seinen Umgang mit der Vergangenheit als Drogenabhängiger. Des Öfteren kursieren Gerüchte von ansteckenden Krankheiten wie HIV, Hepatitis B oder C, die (in erster Linie) seine Mitbewerber in die Welt setzen. Diese Verleumdungen werden vielleicht in die Welt gesetzt, damit das Geschäft nicht so gut läuft, aber das sind alles nur Mutmaßungen. Fakt ist, dass Glen kerngesund und fit ist, denn sonst hätte er solch einen Wettkampf sicher nicht bestreiten können.

Die Hauptsache ist, das Glen einen gesunden Umgang mit seiner Vergangenheit gefunden hat und sich wohl fühlt in seiner Haut, ganz gleich was andere Menschen meinen - aus welchen Gründen auch immer. Der eigene Beweis für seine innere Stärke zählt und er bedankt sich ganz herzlich bei allen, die an ihn geglaubt und unterstützt haben.

Für das nächste Jahr hat er sich schon wieder zwei sportliche Events vorgenommen. Einen Ultralauf im Februar und noch mal den IRONMAN in Frankfurt am Main oder in Roth. Wenn es läuft, dann läuft es eben.

Glen Tattoos | Bernd

Vielen lieben Dank auch von meiner Seite an Andre, der sich bei diesem Event um die Live-Berichterstattung auf Facebook gekümmert hat. Also: dicken Dank!

Bisherige Events:

- HASPA Marathon in Hamburg, 30.04.2012
- Halbmarathon in Amelinghausen, 28.02.2013
- HASPA Marathon in Hamburg, 21.04.2013
- Vierlanden-Triathlon in Hamburg, 02.06.2013
- Schlosstriathlon in Schwerin, 30.06.2013
- Elbe-Triathlon in Hamburg, 15.07.2013
- NordseeMan in Wilhelmshaven, 12.08.2013

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